Bunter Abend der Physik 2012

Glücklicherweise habe ich heute Mittag noch erfahren, dass am Abend im Audimax der "Bunte Abend der Physik" stattfindet. Wir sind da also hin, ich war total gespannt, was die Physiker so unter einem bunten Abend verstehen. Kurz nachdem wir Plätze gefunden hatten und ich mich überrascht über das recht leere Audimax zeigte, füllte sich der Saal plätzlich bis oben hin.

Das ganze wurde uns als Wetten, dass...!? verkauft, inklusive Tommy und Michelle, gemimt von zwei Physikern, die uns durch den Abend führten. Tommy hatte wirklich wieder ein super Hochwasser-Outfit an, aber ich bin ja hier nicht am Modebloggen.

Zu Anfang wurde eine Aussenwette gestartet, fünfzig, nein hundert Physiker... Physikerpaare sollten zu Ende des Abends draußen Walzer tanzen, dann müsste Tommy Laser-Limbo spielen, nackt (zum Glück nicht). Die Bigband spielte einige Male fleißig bis zur ersten Pause.

Die ersten Darbietungen waren ein Vorspiel zweier Erstsemesterphysiker auf Gitarre und Ukulele, gefolgt vom nachfolgend abgebildeten Professor, der durch seine Stimme und Gitarrenspielkunst (hinter mir wurde gemunkelt, er könne auch Klavierspielen) mit modifiziertem Liedtext überzeugte.

Dann ging es weiter mit dem tanzenden Sextett oder wie sich diese Spaßtruppe genannt hatte, sehr lustig, jeder war jeweils in einem Strumpfhosenbein des Nachbarn drin. Habe leider verpennt ein Foto zu machen.

Dafür hab ich eins von der Pseudo-doch-leider-nicht-so-Railgun gemacht, mit der heliumgefüllte Luftballons zerschossen wurden, eine Luftpistole war auch im Spiel.

Nun folgte die überaus gelungene Darbietung des physiker Männerballets. Solch grazile Wesen sah ich noch nie über unseren universitären Boden schweben!

Jetzt kam endlich der Rest der Videos, in denen Professoren und Dozenten Aufgaben gestellt wurden, die sie lösen sollten, wenn sie es wollten. Es gab insgesamt vier Aufgaben, es kann sein, dass ich hier die Reihenfolge durcheinander bringe.

Die erste bestand darin sich im Fachschaftsschrank in der Physik-FS zu verstecken, die Studenten, die am Montag morgen Kaffee aus dem Schrank holen wollten, erschraken jedes Mal, wenn ihnen der Kaffee aus dem Schrank gereicht wurde, alles natürlich von versteckter Kamera festgehalten.

Bei der zweiten Aufgabe musste sich der Experimentalphysik-Dozent als russischer Austauschstudent in eine IKI-Übungsgruppe setzen und eine einfache Aufgabe an der Tafel vorrechnen. "Das ist Summenformel, das ist Integral, gaanz einfach..." waren die besten Stellen, während er zwei Tafeln vollschrieb. Die Erstis guckten sehr verduzt, als er sich als Dozent zu erkennen gab.

Die dritte Aufgabe sollte den Verbleib des allseits gehassten geliebten Chemiker-Weihnachtsbaumes klären. Mit Axt, Säge und Benzin wurde am Wassersportgelände aber leider nur eine Holzvariante vernichtet. Trotzdem sehr lustig gefilmt.

In der letzten der vier Aufgaben stellte sich ein Dozent als Ersatz für die Figur auf P6 in den Schaukasten, verkleidet als Aragorn, keine Ahnung, wie die darauf bloß gekommen sind.

Zum Abschluss, nach gewonnener "Aussenwette" musste Tommy noch gegen Freiwillige aus dem Publikum im Laser-Limbo antreten. Wie die Physiker darauf kamen, will ich garnicht wissen :). Er unterlag nur knapp den beiden Studentinnen die antraten.

Leider mussten wir dann auch schon auf den Bus, sodass ich das Ende nicht mitbekommen habe. Ich muss aber echt sagen, dass der Abend so lustig war! Sehr toll fand ich die Seitenhiebe gegen Chemie und die "Hilfswissenschaft" Mathematik. Ich werde da im nächsten Jahr definitiv wieder hingehen; Hut ab ihr Physiker!

Spannende Zeiten

Hätte mich vor zwei Jahren jemand gefragt, was ich einmal werden möchte, hätte ich wahrscheinlich Astronaut, Rennfahrer oder wasweißich geantwortet.

Hat aber niemand. Jedenfalls nicht direkt. Nach dem Abi, das mir ermöglichte jene Berufe gar nicht erst anzufangen, die mir sowieso nicht gefallen, war sehr schnell die Erwartung da, plötzlich wissen zu müssen, was ich mal machen will. Da ich ausgemustert wurde (ja, das gabs damals™ noch), hatte ich genau drei Monate Zeit mir das zu überlegen, vorher war das alles noch viel zu neblig und unimmanent für mich.

Ich hörte mir dann also auf sämtlichen Schülertagen Mathematik, Chemie und Physik an – die hatte ich ja als vierstündige Kurse in der Oberstufe (Bio konnte mich irgendwie nie so richtig begeistern).
Aber so richtig entscheiden zwischen denen konnte ich mich nicht.

Irgendwann hab ich mich dann gefragt: "Worauf hast du Bock?"

Jetzt studiere ich sehr zufrieden Informatik in meiner Heimatstadt. Momentan höre ich noch sehr begeistert Linguistik. Was dann später vielleicht zu Computerlinguistik werden könnte. Wir müssen uns ja auch irgendwie fachfremd bilden. Die grobe Entscheidung ging demnach aber schon in Richtung Mathematik.

Was die Überschrift aber eigentlich sagen will und wovon die wirklich miese Einleitung abzulenken versucht hat ist, dass ich es sehr cool und spannend finde, dass ich in einer Zeit lebe, in der man als Informatiker quasi aus nichts und viel Kaffee oder Mate etwas bauen kann, das einem Menschen den Alltag erleichtert oder diesen bereichert.

Ich muss mich nur mit einer Idee hinsetzen, viel Zeit investieren und am Ende kommt etwas raus, das produktiv ist oder zumindest Spaß gemacht hat, es zu bauen. Aber auch nicht ernst gemeinte Spaßprojekte nebenbei können zu kleinen Helfern, zumindest für einen selbst werden. Ich glaube, als Informatiker verbringt man die Zeit (eher sogar mehr) für die Lösung einer Aufgabe lieber damit, ein Programm zu schreiben, das diese Aufgabe erledigt und das finde ich super.

Ich finde es wirklich toll so viele Möglichkeiten zu haben, wenn ich mich mit nichts außer einem Computer hinsetze und irgendwas baue. Sei es auch nur eine Website, die mich aufheitert und bei deren Entstehung ich auch noch etwas lerne.

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